Wenn der Asiate pfeift . . .

An einem warmen Herbstmorgen ziehen wir los weit in Richtung Norden mit sechs Autostunden die wir noch vor uns haben. Angekommen in einem kleinen, dünnbesiedelten Örtchens Namens Bochov, welches für uns auffallend sauber und gepflegt ist finden wir gleich unseren ausgemachten Treffpunkt. Eine sehr nette Pension wo wir schon mit offenen Armen empfangen wurden.

Doch was suchen wir hier eigentlich? Curry? Korianderkraut? Zitronengras? – auf jeden Fall etwas Asiatisches und zum Essen ist es auf jeden Fall auch – Richtig – Sikahirsche!
Der ursprünglich aus dem ostasiatischen Raum stammende Sikahirsch wurde durch den Menschen in zahlreiche Gegenden auf der ganzen Welt eingeführt und eben auch hier in Tschechien.
Er ist etwas kleiner als unser gewohnter Rothirsch und erreicht eine Schulterhöhe von ca. 100cm, sein Sommerkleid ist Rotbraun mit kleinen weißen Flecken, welche in acht Längsreihen angeordnet sind, im Winter bilden sie eine auffallende Halsmähne.

Es ist Hochbrunft, wir pirschen nahe zu lautlos durch den dichten Mischwald und unsere Rotwildgewohnten Ohren vernehmen für uns merkwürdige Geräusche schon aus der Ferne, ein lautes Pfeifen welches mit einem Brummen endet. Aus allen Richtungen kommen nun die Laute, abwechselnd mit weichen, sanften Pfeiftönen.
Mein Pirschführer klärt mich gleich auf, Hirsche, Tiere und Kälber müssen ganz nahe von uns sein.
Nach weitern 200m Pirschen bleiben wir kurz stehen, da gerade vor uns Tier und Kalb gebetet unter einem Baum sind.
Leise richte ich den Zielstock her und platzier mich passend falls der Hirsch austritt.

Hier sei erwähnt, dass mein Pirschführer ein erfolgreicher Teilnehmer sämtlicher Hirschrufveranstaltungen ist und alle Laute perfekt drauf hat.
Er stellt sich langsam hinter mich und beginnt mit seiner Lockpfeife die pfeifenden Laute der Tiere nachzuahmen. Als er plötzlich absetzt können wir den schon fast „hektisch heranspringenden“ Hirsch im Wald gut erkennen. Jirka flüstert mir leise zu, „bleib ganz ruhig, der Hirsch kann bis zu 30m an uns heran kommen, denn in der Brunft sind sie leicht verwirrt und deshalb sehr neugierig “. Schnell drehe ich meine Vergrößerung immer weiter nach unten, der Hirsch kommt zügig in unsere Richtung, und als er kurz an der Lichtung stehen blieb konnte ich ihm einen sauberen Schuss auf ca. 40m antragen.
Viele sagen, dass gerade das Sikawild in der Brunft äußerst schusshart ist und empfehlen deshalb größere Kaliber. Ich jedoch jagte wie so oft mit meiner 6,5×55 und der Hirsch lag sofort im Feuer.
Nach einer kurzen Wartezeigen gehen Jirka und ich zum Stück, was dann kommt war für mich ein sehr berührender Moment, Jirka mein Prischführer kniete sich hin, streichelt dem Hirsch langsam übers Haupt und im selben Moment wie er ihm den letzten Bissen gibt sagt er, „Es tut mir leid mein alter Freund, ich bedanke mich bei dir“. Jirka erklärt mir mit leicht zittriger Stimme, er habe zu jedem Stück eine besondere Beziehung und behandle jedes mit Respekt, sein Dank gilt auch dem Heiligen Hubertus, ein sauberer Schuss und ein hochwertiges Lebensmittel!

Alleine schon diese Geste des Respekts und der absoluten Ehrfurcht vor der Kreatur hat mir gezeigt, dieses Revier kann man beruhigt sofort weiter empfehlen. Die organisatorische Abwicklung und die Vorbereitungsabreit von Jirka waren einwandfrei, klar und übersichtlich. Man bekommt dort genau das geboten was man ausgemacht hat und auch bei der Abrechnung gibt es keine bösen Überraschungen – für mich ein Mann mit Handschlagqualität!